Beurteilungsgrundlagen für die Volksschule sind komplett

Schon im März dieses Jahres hatte der Erziehungsrat Grundsätze zur Beurteilung in der Volkschule beschlossen und kommuniziert. Jetzt wurden diese Grundsätze reglementarisch verankert. Mit Rücksicht auf den kompetenzorientierten Unterricht gemäss neuem Lehrplan, dessen Einführungsphase im Sommer 2020 abgeschlossen sein wird, erhält die Beurteilung einen «roten Faden», dem die Lehrpersonen vom Kindergarten bis zur Oberstufe folgen können. Damit erhalten die Lehrpersonen mehr Sicherheit und werden in diesem wichtigen und sensiblen Bereich ihrer Berufsaufgabe gestärkt. Das neue Reglement wurde vorgängig den schulnahen Anspruchsgruppen zur Mitsprache vorgelegt. Die Rückmeldungen zeigten eine breite Zustimmung.

Beurteilen – Kernfunktion der Lehrpersonen
Beurteilen gehört zu den Kernfunktionen der Lehrerinnen und Lehrer. Dies macht sich insbesondere bei den Entscheiden zur Schullaufbahn bemerkbar, zu denen die jährliche Promotion von einer Klasse in die nächste, der Übertritt von der Primarschule in die Oberstufe sowie der Wechsel von Leistungsniveau oder Schultyp in der Oberstufe gehören. Roter Faden für die Beurteilung ist die Gesamteinschätzung einer Schülerin oder eines Schülers durch die Klassenlehrperson. Diese Gesamteinschätzung berücksichtigt verpflichtend den Leistungsstand in allen Fächern, aber auch die Lernentwicklung sowie das Arbeits-, Lern- und Sozialverhalten.

Noten bleiben im Zeugnis zentral
Vom Kindergarten bis und mit 1. Primarklasse wird weiterhin auf ein notenfreies Zeugnis gesetzt. Von der 2. bis zur 6. Klasse der Primarschule werden jedoch am Ende des Schuljahres die während des Schuljahres erbrachten Fachleistungen konsequent mit Noten ausgewiesen. Die bisherigen Semesterzeugnisse in der Primarschule entfallen zugunsten eines Jahreszeugnisses, das ermöglicht, die Fachleistungen einer Schülerin oder eines Schülers über einen längeren Zeitraum zu beurteilen und somit auch die Erreichung von Kompetenzen gemäss aktuellem Lehrplan einzubeziehen. In der Oberstufe wird mit Blick auf die Berufswahl an den Semesterzeugnissen festgehalten.

Akzent auf Deutsch und Mathematik beim Übertritt in die Oberstufe
Der Übertritt von der 6. Primarklasse in die Oberstufe wird stärker strukturiert. Betont wird zwar auch hier der Grundsatz einer Gesamteinschätzung. Für die Zuteilung zum Oberstufentyp Sekundar- oder Realschule sind jedoch nebst den allgemeinen Fachleistungen, der Lernentwicklung sowie dem Arbeits-, Lern- und Sozialverhalten der Schülerin oder des Schülers insbesondere die Leistungen in den Fächern Deutsch und Mathematik verstärkt heranzuziehen. Damit setzt der Erziehungsrat einen Akzent auf die basalen Kompetenzen, die für die Schullaufbahn nach der Volksschule besonders zentral sind.

Übergreifende Beurteilung des Arbeits-, Lern- und Sozialverhaltens
In der gesamten Volksschule wird die bisherige Arbeitshaltungsnote durch eine übergreifende Beurteilung des Arbeits-, Lern- und Sozialverhaltens ersetzt. Diese Beurteilung wird verstärkt im jährlichen Beurteilungsgespräch mit den Eltern vorgenommen. Die Lehrperson dokumentiert die Beurteilung anhand eines standardisierten Formulars.

Vollzug ab Schuljahr 2020/21
Die frühzeitige Verabschiedung der neuen Grundlagen für die Beurteilung war ein Kernanliegen des Erziehungsrates. Vollzogen wird das neue Reglement ab dem 1. August 2020.

Quelle: Kanton St. Gallen

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